Lebensweise / Haltung:
Die Tiere sind im Handling nicht ganz einfach, da sie sehr bissig sind und sie ihren Kopf weit nach hinten „ausfahren können“. Sie können mit ihrem Maul in Sekundenschnelle fast bis zum Panzerende reichen, ein Grund warum man schon im eigenen Sinne diese Tiere nur weit hinten anfassen sollte. Außerdem haben sie ein unwahrscheinliches Sprungvermögen. Dennoch kann man sich schnell in diese kleinen „Beißzangen“ vergucken und ist man erstmal vom Fieber ergriffen, ist sie eine sehr interessante Schildkrötenart, welche immer wieder aufs Neue begeistern kann.
Wenn man den Lebensraum betrachtet, und mit Angaben entsprechender Klimadiagramme abgleicht, ist unschwer zu erkennen, dass die Tiere mit einigen kleinen Schwankungen ganzjährig warm zu halten sind. Dem Wärmebedürfnis der Tiere ist auch bei erforderlichen Transporten Rechnung zu tragen. Dazu nur ein Ausschnitt aus einem häufigen Verbreitungsgebiet wie Belize:
M = Monat
NS = Niederschläge in Millimeter
TEMP = Temperatur in Grad Celsius
M |
Jan |
Feb |
März |
April |
Mai |
Juni |
Juli |
Aug |
Sep |
Okt |
Nov |
Dez |
NS |
130 |
71 |
59 |
48 |
116 |
255 |
252 |
189 |
258 |
247 |
161 |
167 |
TEMP |
23,6 |
24,3 |
25,7 |
27,0 |
27,9 |
27,9 |
27,5 |
27,8 |
27,5 |
26,3 |
25,0 |
24,3 |
Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 26,2 Grad Celsius, die Menge der Niederschläge im Jahresdurchschnitt 1953 mm.
Die Rotmarkierten Monate kennzeichnen die Regenzeit im dortigen Habitat. Zu dieser Zeit finden die Paarungen der Großkopf-Schlammschildkröte statt.
In Grünmarkierten Monaten vergraben ihre Weibchen ihre Gelege, man geht im Allgemeinen von 1-2 Gelegen pro Jahr und pro Weibchen aus. Die Inkubationszeit wird bei dieser Art durch die oftmals stattfindende Diapause der Embryonen verlängert. Das Geschlecht ist genetisch (also nicht Inkuabtionstemperaturabhängig) festgelegt.

Bisher halte ich meine Claudius in 60x30x30 Standartbecken, also die typischen 54 Liter, die auch oft in der Aquaristik Verwendung finden. Sobald sie adult sind, werden sie in 80x40x40 Becken umziehen, was ich als Mindestmaß für diese Art betrachte. Die Tiere leben einzelgängerisch und sind nur in großen Aquarien zusammen zu pflegen (lt. SCHOLZ), wovon aber weitestgehend wegen dem Stress durch Artgenossen und der Bissigkeit abzuraten ist. Laut SCHILDE kann die Anwesenheit eines Artgenossen zu solchem Stress führen, dass manche Exemplare die Nahrungsaufnahme verweigern oder sich nur noch im Landteil vergraben, was bis hin zum Tod des unterlegenen Tieres führen kann.
Ein Landteil sollte bei der Planung des Aquariums berücksichtigt werden, der aus Sand oder einem Torf/Kies Gemisch bestehen kann. Dieser kann unkompliziert eingehängt werden. Wichtig ist nur, zu beachten, dass er mindestens der Panzerlänge des größten Weibchens entspricht. Denn stoßen die Weibchen bei der Eiablage auf Widerstand beenden sie diese oft und legen an anderer Stelle, wo dieses oftmals nicht gewünscht ist, wie im Wasser, ab. Oder, was noch schlimmer ist, sie kommen in Legenot.
Claudius angustatus ästivieren unter bestimmten Vorraussetzungen, was heißt, sie führen eine Trockenruhe durch. Dabei buddeln sie sich für mehrere Tage in das Substrat des Landteiles ein. Dies ist ein natürlicher Vorgang, den sie in ihrem Herkunftsgebiet durchführen, um während Trockenperioden zu überdauern. Daher sollte man dieses nicht abbrechen, die Tiere werden von alleine nach einigen Tagen wieder das Wasser aufsuchen.
Das Aquarium sollte mit ausreichend Versteckmöglichkeiten versehen werden. Dazu dienen unter anderem Wurzeln, z. B. der Moorkie und robuste Pflanzen wie Shinnersia Rivularis, diese ist recht lichtbedürftig, wenn man diesen Anspruch erfüllen kann, wird sie jedoch durch ihr schnelles Wachstum eine große Freude bereiten, außerdem ist sie mit ihrem Herkunftsgebiet aus dem mexikanischen Raum besonders gut geeignet für die aus dem ähnlichen Verbreitungsgebiet stammende Schildkrötenart. Weiterhin eigenen sich auch Wasserpest, Hornkraut, Javamoos und Froschbiss mit den langen ins Wasser ragenden Wurzeln um eine gewisse Deckung zu bieten. Als Bodengrund findet Quarzsand bei mir Anwendung. Des Öfteren ist zu beobachten, dass die Tiere darin graben. Von Kies als Bodengrund möchte ich für diese Art dringend abraten. Nach meinen Beobachtungen beißen die Schildkröten in alles, auch was vom Halter unter Umständen gar nicht als Futter angesehen wird. Sollte Kies verschluckt werden, kann das bis hin zum Darmverschluss führen. Weiterhin entstehen in Kieszwischenräumen oftmals Verunreinigungen durch Futterreste, die hingegen bei Sand problemlos abgesaugt werden können.
Eine gute Filterung ist auch hier erforderlich, will man das Wasser ansehnlich halten und ist gerade auch bei Aquarien im Wohnraum eine Geruchsfrage. Innenfilter sind nach meiner Erfahrung nicht geeignet, da selbst diese eine schwache Strömung erzeugen, die die Tiere meiner Beobachtung nach beunruhigt. Interessant sind hierzu auch folgende Filtermöglichkeiten: turtle-technik >>> Filterung. Eine Möglichkeit ist, dass Becken stark zu bepflanzen und so für eine kostengünstige und biologische Filterung zu sorgen. Dazu eigenen sich sehr gut Mangroven und Zyperngras die dem Wasser ungeeignete Stoffe entziehen.
Ähnlich wie Macroclemys temminckii oder Chelus fimbriata konnte ich bei meinen Schildkröten das Verhalten eines Lauerjägers beobachten. Sie verharren stundenlang im flachen Gewässergrund mit offenem Maul und warten auf Beute. Schwimmt ein Fisch, Krebs oder Insekt dicht daran vorbei, schnappen sie blitzschnell zu. Im Gegensatz zu vorgenannten Arten scheuen sie sich jedoch auch nicht, aus einigen Zentimetern Entfernung ihre Beute plötzlich anzuspringen und hinunterzuschlingen. Ihr Hakenschnabel hilft ihnen die Beute festzuhalten, dient somit hauptsächlich der Nahrungsaufnahme von Lebenfutter.

Ernährung:
Da sich Claudius angustatus zu einer der schnellwachsensten Schildkrötenarten zählt, ist eine abwechslungsreiche Ernährung sehr wichtig, primär sollte eine ausgewogene Versorgung mit Mineralstoffen sein. Die Ernährung ist fast ausschließlich carnivor. Besonders wichtig ist Lebendfutter um den Jagdtrieb anzuregen. Gut angenommen werden Regenwürmer, Nackt und Gehäuseschnecken, Heimchen, Grillen, Heuschrecken, lebendgebährende Fische, Krebse, Garnelen, Schaben, Asseln, Mückenlarven, Wasserflöhe und andere Insekten. Weiterhin können selbstgemachter Schildkrötenpudding, (tierisch/- und oder pflanzlich) Fischstückchen, Stinte, Muschelfleisch, Rinderherz, Putenstreifen, Leber, Lundi-Pellets gefüttert werden. Handelsübliche Schildkrötensticks sollten nur sehr selten gereicht werden.
Bei ausgewachsenen Tieren können in größeren Abständen auch Mäusebabys gereicht werden, was besonders bei tragenden Weibchen als gute Versorung mit Calzium (D3). Jungtiere sollten täglich gefüttert werden, bei semiadulten sollte man dazu übergehen nur noch 2-3 mal in der Woche Futter zu reichen um einer Verfettung, der Bildung von Ödemen, Nierenleiden und Anderem vorzubeugen.

Zirka 3 Wochen altes Jungtier. Auffällig hier die schwarze Farbe, die bereits innerhalb weniger Wochen weiter aufhellt und die markante Carapaxzeichnung zum Vorschein bringt.